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Das erste Jahrhundert

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WALTHER, das sind 130 Jahre Innovation.
Bereits in der Frühzeit bildeten sich an Erzlagerstätten Zentren der Waffenherstellung. So war es auch in Thüringen, in der Region um Suhl und Zella-Mehlis. Aus den einfachen Schmieden entwickelten sich spezielle Gewerke wie das Büchsenmacherhandwerk, das die Ahnen der Walther-Familie ausübten. Unter ihnen auch August Theodor Walther, der die Enkelin des angesehenen Gewehrfabrikanten Gustav Wilhelm Pistor aus Asbach-Schmalkalden heiratete. Ihr Sohn Carl Wilhelm Freund Walther begründete die Geschichte der Walther-Werke.1858 geboren, machte er sich nach seiner Ausbildung im Jahr 1886 mit einer eigenen Büchsenmacherwerkstatt selbstständig. Unterstützt von seinem Lehrling begann Carl Walther mit der Herstellung von Jagd- und Scheibenbüchsen mit Martini- und Aydt-Verschlusssystemen. Damals standen dem 28-Jährigen nur wenige Gerätschaften und Werkzeuge zur Verfügung.

Fabrik

Carl Walthers Ehefrau stammte ebenfalls aus dem Hause eines Waffenfabrikanten. Die beiden hatten fünf Söhne: Fritz, Georg, Wilhelm, Erich und Lothar. Die drei Erstgenannten erlernten im elterlichen Betrieb das Büchsenmacherhandwerk, Erich schlug eine kaufmännische Laufbahn ein, und Lothar ließ sich zum Werkzeugmacher ausbilden. Die Arbeiten gingen gut voran, so dass im Jahr 1903 auf dem Katzenbuckel in Zella-Mehlis ein kleiner Fabrikbau entstehen konnte.

Besonders Fritz Walther interessierte sich für die aufkeimende Technik der Selbstladepistolen. Diese hatte er als Geselle bei seiner weiteren Ausbildung in Berlin kennengelernt – damals das Zentrum besonders des Kurzwaffenbaus. Dass in dieser Sparte der Waffenherstellung die Zukunft liegen würde, davon überzeugte er auch seinen Vater Carl in vielen Briefen. Und als er 1908 heimkehrte, konnten beide voller Stolz den Prototypen des "Modell 1" präsentieren – das Patent wurde im Juni 1911 erteilt, dann begann die Produktion der „Selbstlade-Pistole Cal. 6,35 mm“

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Weitere Pistolen folgten, bis im Jahr 1920 die Nummernreihe mit dem Modell 9 endete. Im Herbst 1921 erreichte eine viel beachtete automatische Schrotflinte den Markt und 1932 konstruierte Walther Doppellaufflinten, denen sich Kleinkalibermodelle anschlossen. Nach dem Tod des Vaters 1915 hatte Fritz Walther die Firmenleitung übernommen, unterstützt von seinen Brüdern.

Die Produktpalette erweiterte sich um den Bereich der Rechenmaschinen. In den zwanziger Jahren standen die Addierwunder mit dem typischen Walther-Banner auf den meisten Schreibtischen rund um den Globus. Fritz Walther indessen tüftelte für den Waffensektor an einem Welterfolg. Und auch bei seinen Mitarbeitern förderte der Firmenchef konstruktive Eigeninitiative. Ingenieur Walter Riem zum Beispiel entwickelte 1937 eine Schreckschuss-/Gaspistole mit dem Namen Perfecta, die Jahrzehnte später die Grundlage für das Unternehmen Umarex bildete (wozu wir später kommen).

Fritz Walther

Obwohl sich Spannabzugspistolen bis dato auf dem Markt nicht durchsetzen konnten, erkannte Fritz Walther das Potential dieser Technik. Im Jahr 1929 führte er sie in sein neues Modell ein. Die PP war geboren – und damit ein spontaner Welterfolg. Nur zwei Jahre später folgte die Kriminalausführung PPK. Beide Modelle erwiesen sich von Anfang an als ausgereifte Waffen, deren Akzeptanz und Produktion bis in unsere Zeit reicht. Vor allem die Behörden interessierten sich für die PP und PPK, aber auch auf zivilem Terrain fanden die Pistolen reißenden Absatz.

Blieb noch der militärische Sektor, den Walther mit der legendären P38 versorgte. Sie hatte das Potential, die bisherige Dienstpistole 08 nach und nach abzulösen und konnte gar nicht in den von den einzelnen Streitkräften angeforderten hohen Stückzahlen gefertigt werden. Daher ordnete das Waffenamt an, dass die P38 auch bei Mauser in Oberndorf und in den Spreewerken in Berlin-Spandau gebaut wurde. Bis zum Kriegsende lieferte Walther knapp die Hälfte (um 580.000 Stück) der bis dahin produzierten 1,2 Millionen Pistolen.

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Eine dünne Mappe mit Konstruktionszeichnungen und die Rechte an über 80 Patenten waren alles, was Fritz Walther aus den Kriegswirren retten konnte. In der Nähe von Ulm begann der Neustart. Die Geschichte wiederholte sich, denn Fritz Walther stand, wie damals sein Vater, vor dem Nichts. Eine kleine Schusterwerkstatt war die Keimzelle und damit die zweite Geburtsstunde der Firma Walther. Bald kamen Fabrikationsstätten für Bürobedarf in Niederstotzingen und Gerstetten hinzu. Bereits im April 1949 feierten die Mitarbeiter die Fertigung der 1000. Rechenmaschine. Für Fritz Walther bedeutete das: Er konnte sich durch deren Erlöse wieder seinem Metier widmen. In der Donaubastion Ulm begann erneut die Waffenfabrikation. Ende 1950 lagen die ersten 100 Luftgewehre für den Versand bereit. Fritz Walther hatte es geschafft!

Der weitere Weg führte zur Neuauflage der immer noch begehrten Pistolen PP/PPK und der P38, die als P1 zur Seitenwaffe für die neu gegründete Bundeswehr avancierte. Es entstanden weitere Pistolen: die TP, TPH, PP-Super, P5 und schließlich die P88. Auch bei den Langwaffen zeigte sich der Durchbruch, in Form von Jagd- und Sportwaffen aller Art. Schon seit 1953 wurden wieder Kleinkaliber-Wettkampfgewehre gebaut, etwa die legendären Serien KKS und KKM. Als Fritz Walther im Dezember 1966 starb, übernahm sein Sohn Karl-Heinz die Leitung.

Karl-Heinz Walther

Unter ihm wurde der Sportwaffenbereich weiter ausgebaut und der Schwerpunkt der Produktion in Ulm verschoben. Ab 1969 sorgte die Kleinkaliber-Sportpistole Walther GSP für die Fortsetzung der Erfolge, welche die ähnlich konstruierte Schnellfeuerpistole OSP bereits seit 1961 angebahnt hatte – bis in dieses Jahrtausend dürfte die GSP die meistgeschossene KK-Matchpistole der Welt sein. Das KK-M(atch) wurde besonders als die Olympiasieger-Waffe berühmt: Sowohl der Amerikaner Lanny Bassham (1976 in Montreal) wie auch der Brite Malcolm Cooper (1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul) holten damit Gold im KK-Dreistellungskampf 3 x 40 Schuss, der Königsdisziplin der Gewehrschützen. Als Karl-Heinz Walther am 2. November 1983 überraschend starb, übernahm sein Neffe Hans Fahr als letzter Familienvertreter die Firmenleitung.

Das zweite Jahrhundert